Das Genitourinäre Syndrom der Menopause (GSM) ist der neue medizinische Begriff für das, was früher als „vaginale Atrophie" oder „atrophische Vaginitis" bezeichnet wurde. Der Name wurde geändert, weil die Erkrankung den gesamten Urogenitaltrakt betrifft, nicht nur die Vagina.

Wie häufig ist es?

GSM betrifft etwa 50 % der postmenopausalen Frauen. Allerdings sprechen weniger als 25 % der Betroffenen mit ihrem Arzt darüber — oft aus Scham oder dem Irrglauben, dass man nichts dagegen tun kann.

Neueste Mikrobiom-Forschung (2026):

Eine systematische Übersichtsarbeit in *Maturitas* (23 Studien, 5.027 Teilnehmerinnen) bestätigte, dass das postmenopausale Mikrobiom durch reduzierte Laktobazillen und eine erhöhte mikrobielle Vielfalt gekennzeichnet ist. Wichtigste Ergebnisse:

  • SWAN-Kohorte (n=1.320): Sexuelle Schmerzen unabhängig mit dem Mikrobiom-Profil CST IV-C1 assoziiert (OR 2,26; 95 % KI 1,20–4,23)
  • Prevotella mit Harnwegsbeschwerden assoziiert, Finegoldia magna mit wiederkehrenden HWI, Streptococcus mit sexuellen Schmerzen
  • Parallele Laktobazillen-Verarmung in vaginalen, urinären und Darm-Kompartimenten deutet auf eine Vaginal-Blasen-Darm-Achse hin („Estrobolom"-Störung)
  • Östrogentherapie stellte die Laktobazillen-Dominanz teilweise wieder her, verbesserte aber NICHT einheitlich die Symptome — die Wiederherstellung des Mikrobioms allein sagt keine Symptomlinderung voraus

Die Menopause Society empfiehlt:

  • Niedrig dosiertes vaginales Östrogen (Creme, Tablette oder Ring) — First-Line-Therapie; minimale systemische Absorption, sehr sicher. Lokal an Vulva und Vagina angewendet, lindert es Scheidentrockenheit und sexuelle Schmerzen durch GSM
  • Ospemifen (orales SERM) — zugelassen zur Behandlung von GSM
  • Vaginale Feuchtigkeitscremes — 2–3 Mal pro Woche anwenden
  • Gleitmittel (auf Wasser- oder Silikonbasis) — für den Geschlechtsverkehr
  • Regelmäßige sexuelle Aktivität nach der Menopause fördert die Durchblutung und erhält die Gesundheit des Vaginalgewebes
  • Postmenopausale Frauen sind besonders anfällig für STIs, da empfindliches Vulvagewebe Viren leichter eindringen lässt

⚠️ GSM ist chronisch — die Symptome kehren zurück, wenn die Behandlung abgesetzt wird. Vaginales Östrogen hat das beste Nutzen-Risiko-Verhältnis aller Menopause-Behandlungen. Auch für die meisten Brustkrebs-Überlebenden nach Rücksprache mit dem Onkologen sicher.