Die vorzeitige Ovarialinsuffizienz (POI), früher als vorzeitige Menopause bezeichnet, ist eine eigenständige Erkrankung mit eigenen Leitlinien.
Was ist POI? Es ist der Verlust der Eierstockfunktion vor dem 40. Lebensjahr. Sie betrifft 1 % der Frauen unter 40 und 0,1 % der Frauen unter 30. Im Gegensatz zur natürlichen Menopause kann die Eierstockfunktion intermittierend sein — einige Frauen bekommen wieder ihre Periode und werden sogar auf natürlichem Weg schwanger.
Diagnose: Zwei erhöhte FSH-Messungen (>25 IU/L) im Abstand von 4-6 Wochen bei einer Frau unter 40 mit Oligo-/Amenorrhoe seit mindestens 4 Monaten.
Behandlung: NICE und ESHRE empfehlen HRT bei POI dringend, sofern keine Kontraindikationen vorliegen — der Nutzen überwiegt die Risiken in diesem Alter bei weitem. Die Hormontherapie sollte bis zum durchschnittlichen Alter der natürlichen Menopause (etwa 51 Jahre) fortgesetzt werden.
Fruchtbarkeit: Das Einfrieren von Eizellen sollte bei der Diagnose besprochen werden. Eine Spontanschwangerschaft ist möglich, aber selten. Eizellspende mit IVF ist die zuverlässigste Fruchtbarkeitsoption.
Langzeitgesundheit: Frauen mit POI haben ein höheres Risiko für Osteoporose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und kognitiven Abbau. Regelmäßige Knochendichtemessungen, kardiovaskuläre Überwachung und lebenslange HRT (bis etwa 51 Jahre) werden empfohlen.